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Gartenführung „Alte Pflanzen neu entdeckt“ auf dem Schloss Wildegg

Stefan Vögele
vor 11 Minuten
2 Min. Lesezeit

05.09.2026


Im Garten von Schloss Wildegg erwartete uns Nicole Jacky, die uns auf humorvolle Art und Weise über die Entstehung des Schlossgartens, seine besondere Anlage und viel Interessantes über alte Pflanzen erzählen konnte.

Sein Besuch am Hofe des Sonnenkönigs Louis XIV veranlasste den Schlossherrn Bernhard Effinger um 1700 sein Schloss etwas mondäner zu gestalten und inspiriert von Schloss Versaille einen barocken Schlossgarten anzulegen. Aufgrund der engeren Platzverhältnisse auf Wildegg musste ein Kompromiss zwischen Lust- und Nutzgarten eingegangen werden. So orientiert sich die Aufteilung des Gartens an derjenigen barocker Lustgärten, während die Innenflächen für den Kräuter- und Gemüseanbau benutzt werden. Heute sorgt die Stiftung Pro Specie Rara dafür, dass im Garten alte Sorten angepflanzt werden. Nicht nur zu Anschauungszwecken, sondern teilweise auch zur Samengewinnung.

An vielen praktischen Beispielen zeigte uns Nicole auf, dass unsere heutigen Küchenkräuter früher als Heilkräuter verwendet wurden und den Speisen zur besseren Verträglichkeit beigegeben wurden. Der Anbau anderer Pflanzen hatte praktischen Nutzen. Hanf wurde vielfach angebaut. Nicht der berauschenden Wirkung wegen, sondern um aus seinen Fasern Schnüre und Seile herzustellen. Kalebassen konnten als Schöpfkellen oder Aufbewahrungsgefässe verwendet werden.

Auch den Unterschied zwischen «Reiche-Leute-Gemüse» und «Arme-Leute-Gemüse» erklärte uns Nicole an einigen Beispielen. Da arme Leute nur kleine Gärten zur Verfügung hatten, benötigten sie Gemüse, das auf wenig Platz viel Ertrag boten; Stangenbohnen bieten sich da z.B. an. Im Gegensatz dazu in den Gärten der wohlhabenderen Familien, die Platz für Höckerbohnen hatten.

Die Vielfalt im Garten ist überwältigend und in jedem einzelnen Bereich unterhielt uns Nicole mit einer spannenden Geschichte zu den jeweiligen Pflanzen, ihrer Herkunft oder ihrer Verwendung. Niemandem von uns war bekannt, dass Topinambur, ein Import aus Südamerika, lange vor der Kartoffel in unserer Gegend angebaut wurde und erst später von ihr verdrängt wurde.

Viel zu schnell war die unterhaltsame Führung zu Ende, doch es blieb noch genügend Zeit sich auf eigene Faust im Schlossgarten umzusehen und das eine oder andere zu entdecken.

Während einige Mitglieder des Natur- und Vogelschutzes Gränichen zügig die Heimreise antraten, liessen es sich die teilnehmenden Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins wie üblich nicht nehmen, den abwechslungsreichen Tag auf dem gemütlichen Schlossplatz bei Kaffee und Kuchen und interessanten Gesprächen ausklingen zu lassen.



 
 
 

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