• Sandra Heller

Vor dem Holler sollst du deinen Hut ziehen!

Wärmende Sonnenstrahlen, die auf blühenden Holunder treffen, das weckt die ätherischen Öle und der wunderbare Duft umhüllt unsere Sinne und weckt Erinnerungen. Das Wunderbare: Wir müssen die Houdere (Gränicher Deutsch) nicht suchen, sie begegnet uns überall, im Wald, an der Wyna, in Gärten und als Kulturpflanze. Bei unseren Vorfahren galt sie als Glücksbringerin, die man unbedingt bei seinem Haus stehen haben musste. Der Volksglaube sagte aber auch, dass es Unglück bringe, wenn man dem Holunder einen Ast absäge. Schlimmer noch, wenn der Holunder einging, fürchtete man den baldigen Tod eines Familienmitglieds.


Blüten, Früchte und sogar die Rinde des schwarzen Holunders wurden und werden aber auch medizinisch eingesetzt. Die getrockneten Blüten wirken schleimlösend und enthalten Vitamin C. In Blättern und Rinde sind viele Gerbstoffe enthalten. Tee aus Blättern wirkt gegen Rheuma und Gicht. Zu viel davon kann aber auch abführend wirken. Holunderbeerensirup ist ein altes Hausmittel gegen Erkältung, Nieren- und Blasenleiden sowie zur Stärkung von Herz und Kreislauf und findet bis heute Anwendung. Wer beim Holundersaft einkochen schon einen Fleck auf seine Kleidung abgekriegt hat und diesen dann kaum noch auswaschen konnte, kann sich gut vorstellen, dass Holdere auch zum Färben von Textilien verwendet wurde. Noch heute wird er auch als natürlicher Lebensmittelfarbstoff eingesetzt.



Wir kennen aber nicht nur den oben ausschliesslich beschriebenen Schwarzen Holunder (sambucus nigra), sondern auch die zwei anderen bei uns heimischen Arten, den Roten Holunder (sambucus racemosa) und den Zwergholunder (Sambucus Ebulus). Dem Roten Holunder begegnet man in Gränichen zum Beispiel im Wald auf dem Fudenkopf. Auch seine Früchte können die Küche bereichern, aber ausschliesslich in gekochtem Zustand. Rohe Beeren können Brechdurchfall auslösen. Der krautige Zwergholunder steht an Wegrändern im Wald und blüht von Juni bis August. Seinen Geruch empfindet unsere Nase als widerlich und das ist auch gut so, denn alle seine Teile sind für den Menschen giftig. Begegnen kann man ihm zum Beispiel auf dem Weg zum Brunnen der Naturfreunde in der Tüelen. Ein anderer Flurname, die Räckhoudere ganz in der Nähe hat übrigens nichts mit dem Holunder zu tun, Räckhoudere war in Gränichen früher der Name für den Wacholder.



Houdere, Holder, Holler oder auch Fliederbeere, im wahrsten Sinne des Wortes eine sagenhafte Pflanze! «Vor dem Holler sollst du deinen Hut ziehen» besagt eine Bauernregel. Wir ziehen den Hut und stossen an mit einem Gläschen Holunderblütensekt auf diese wunderbare Pflanze direkt vor unserer Nase. Wer weiss, vielleicht machen Sie es wie ich und pflanzen einen Holunderstrauch in ihren Garten. Und sonst wissen Sie, wo die reiche Ernte wartet: in unserem schönen Gränicher Wald.


Text und Bilder: Iris Kyburz

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